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Willkommen auf der Webseite vom traditionellen Schattenspiel Karagöz

Einleitung

 Es wird heute angenommen, dass sich die Theaterkunst in der Türkei aus der gleichen religiösen, moralischen und erzieherischen Notwendigkeit heraus entwickelt hat, Menschen nachzuahmen, wie in anderen Ländern auch. In der Türkei und im größeren Gebiet des Osmanischen Reichs nahm besonders das Schattenspiel einen bedeutenden Platz ein. Zweidimensionale Puppen (Figuren) brauchen für ihren Schatten eine Leinwand als Spielfläche. Um die Bedeutung des türkischen Schattenspiels zu verstehen, ist ein Überblick über wichtige Theatertraditionen in der Türkei notwendig: Wir befassen uns deshalb mit dem Volkstheater und dem populären Theater (Meddah, Schattenspiel -auch nach seiner Hauptfigur Karagöz genannt), dem höfischen Theater und dem Theater mit westlichem Einfluss.

1. Tradition des Volkstheaters

Karagoz - Gemacht durch Emin Senyer

 Türkische Bauern und Dorfbewohner, dreiviertel der Gesamtbevölkerung, bilden die homogenste und signifikanteste Gruppe der Nation, die durch viele Jahrhundert ihren eigentümlichen Charakter bewahrt hat. Die Isolation türkischer Dörfer hat den Erhalt einmaliger Formen von traditionellen Bauerntänzen, Puppenspielen und Dramen (Stücken) ermöglicht. Während öffentlicher Feiern werden Gesang, Tanz und Pantomime manchmal von einem rohen Drama begleitet, vermutlich ein Vermächtnis alter religiöser Riten, die von Generation zu Generation weitergereicht worden sind. Möglicherweise sind diese dramatischen Spiele aus Schamanen-Ritualen des Ural-Altai-Gebietes, dem Geburtsort türkischer Völker, entstanden. Möglicherweise liegen die Ursprünge aber auch in der phrygischen oder hethitischen Zivilisation. Wahr ist, dass viel anatolische Volksdramen aus Festen entstanden sind, die Götter wie Dionysus, Attis und Osiris ehren, oder von ägyptischen Mysterienfeiern beeinflusst sind, die in Eleusis und anderen Orten gefeiert wurden.
 Obwohl diese Volksdramen heute, fast ohne Ausnahme, der Zerstreuung dienen, enthalten sie oft noch symbolische Elemente, auch Schattenspiel. Es gibt jedoch keine Standardversion der Spiele mehr. Denn im Laufe der Jahrhunderte wurden die Charaktere durch hinzufügen, beeinflussen, erweitern und reduzieren komplett verändert.

 Es gibt zwei beispielhafte Ereignisse, auf denen die Volksdramen basieren: Das erste ist die tödliche Schlacht, in denen einer der Kämpfer getötet wird. Ihm wird aber das Leben wiedergegeben, mit Hilfe eines Doktors oder durch Zauberei. Vielleicht das Überleben eines Naturkultes wie der dionysischen Feiern, in denen der Gott der Vegetation getötet wird. Oder abgeleitet vom Motiv des getöteten Königs, der der Erde neues Leben gibt. In jedem Fall symbolisiert das Thema das verschwindende Jahr und dessen Wiedergeburt.

Hacivat - Gemacht durch Emin Senyer

 Das zweite Ereignis ist die Entführung eines Mädchens und endlich die Rückkehr zur trauernden Mutter, zu Verwandten und Freunden. Zweifellos eine Adaption der Erzählung von Persephones Entführung durch Pluto, und ihrer späteren Wiedervereinigung mit ihrer Mutter, Demeter. Auch das symbolisiert den jährlichen Vegetationszyklus.
 In diesen Volksdramen gibt es eine allgemeine Wehklage durch die Dorfbewohner über Tod des Kämpfers oder die Entführung des Mädchens, sowie den Jubel über die Wiederbelebung und Rückkehr. Die Reihenfolge innerhalb dieser sorgfältigen jahreszeitlichen Zeremonien ist: (A) die Schlacht oder der Wettkampf; (B) die Prozession oder Suche; (C) das Drama an sich.

 Zu (A): Die Schlacht zwischen Gruppen oder Individuen, wird oft pantomimisch dargestellt. Der Vorgang ist ein Überleben alter Riten, in denen Gegner Trost in symbolischen Kämpfen gefunden haben, Kämpfe zwischen Leben und Tod, Licht und Dunkelheit, Sommer und Winter, das Schwinden des Jahres und der Anbruch des neuen Jahres, Vater und Sohn, oder der alte König und der junge. Oft werden in den Volksdramen Araber und Schwarze gezeigt, mit schwarzem Ziegen- oder Schafsfell bekleidet, die Nacht oder Winter bedeuten. In deutlichem Gegensatz dazu der Gegner mit weißem Bart, in weißes Ziegen- oder Schafsfell gekleidet.

Sirin Kosk - gemacht durch Emin Senyer

 Zu (B): Die Prozession oder auch Suche zeigt Männer sowohl mit Tierhäuten als auch mit geschwärzten Gesichtern, die von Haus zu Haus gehen. Das Spiel kann in den Häusern oder davor stattfinden und schließt Tanzen und Singen mit ein. Die geschwärzten Gesichter verweisen auf die antike griechische Tradition, in der Schauspieler ihre Gesichter mit Ruß bemalt haben. Andere Kennzeichen, den Riten des Dionysos folgend sind das Tragen von Fuchsschwänzen, Ziegenhäuten, Schaffellen; Phallus- Prozessionen belebt durch spöttische sexuelle Zwischenakte oder durch eine alte Frau, die eine Wiege trägt. Manche Rollen werden Menschen in Tierverkleidungen übertragen. Jedes Gebiet in der Türkei, fast jedes Dorf hat seinen eigenen Tanz. Insgesamt etwa eintausendfünfhundert, von denen einige pantomimischen Charakter haben. Die Tänze können fünf Themenkreisen zugeordnet werden: das Verhalten der Tiere, das alltägliche Dorfleben, die Erhebung der Natur, der Kampf (mit oder ohne Waffen), die Werbung. Sogar heute sind die türkischen Volksdramen, Puppenspiele und Tänze eine reichhaltige Quelle künstlerischer Leistung, die nutzbar gemacht werden muss, um eine starke türkische Theatertradition aufzubauen. Zu (C): siehe oben.

2. Das populäre Theater (Meddah und Schattenspiel oder Karagöz)
 Das türkische Theater wurde in zwei unterschiedlichen Gebieten entwickelt: im alten Istanbul und anderen Städten, und in den Dörfern. Populäres Theater war ein Zeitvertreib des städtischen Mittelstands. Es wurde durch Schauspieler, Erzähler und Puppenspieler (sowohl Schattenspieler als auch Marionettenspieler) öffentlich gemacht. Seine charakteristischen Eigenschaften waren beispielsweise die Nachahmung von Dialekten, die Nachahmung von Tierfiguren durch Chargenspieler, taklit - Imitator genannt und vom Publikum leicht erkannt wegen der genormten Kostüme, der Erkennungsmelodie und der speziellen Tanzschritte. Komiker, Puppenspieler und Erzähler haben sich gewisse Standardpassagen und gereimte Couplets angeeignet und in Alltagsszenen die farbigen Redewendungen ihrer Zeit benutzt. Sie haben sich nicht auf Requisiten verlassen und kaum auf Dekoration. Männer haben Frauenrollen. Es gab keine speziellen Gebäude für Aufführungen. Es wurde überall gespielt. Auf öffentlichen Plätzen, in staatlichen Gebäuden, bei religiösen Feiern, bei Hochzeiten und Jahrmärkten, in Gasthäusern, in Kaffeehäusern, in Schenken und privaten Wohnungen. Zu allem wurde Musik gemacht: Ringkämpfe wurden musikalisch begleitet, gezaubert wurde zum Klang des Tamburins. Die Stücke waren kurz mit wenig Handlung, aber mit Slapstick, Wortspielen, Standarddialogen, rohen Spässen, Zweideutigkeiten, Missverständnissen, witzigen Bemerkungen. Die Aufführungen schlossen oft Lieder und Tänze mit ein.

 Praktisch ist nichts vom populären Theater unter den anatolischen Türken zwischen dem zwölften und vierzehntes Jahrhunderte bekannt. Der byzantinische Kaiser Manuel Palaeologos II berichtet noch vor 1407 vom Eindruck bei seinem Besuch an Sultan Beyazit's Hof und erwähnt Musiker, Sänger, Tänzer und Schauspieler. Eine sehr frühe Beschreibung einer türkischen dramatischen Aufführung kann im epischen Prosagedicht gefunden werden, der "Alexiade" von Anna Comnena, der ältesten Tochter vom Kaiser Alexius Comnenus. Sie beschreibt im Folgenden, wie die Schauspieler am seldschukischen Hof ihren Vater verspottet haben, der an Gicht litt: "Niemals zuvor hatte der Kaiser so sehr an diesen Schmerzen gelitten und die Schmerzen des Kaisers in seinen Füssen und der Ärger mit seinen Füßen wurde ein Thema für die Schauspieler. Zuerst würden sie den Kaiser nachahmen, dann ihn auf der Couch liegend darstellen und ein Spiel daraus machen. Diese infantilen Spiele haben viel Gelächter unter den Barbaren erzeugt. "

 Die Beschreibung gibt eine Idee davon, auf welche Weise sich der dramatische Instinkt der seldschukischen Türken im zwölften Jahrhundert manifestierte. Vor dem ortaoyunu, der türkischen commedia dell'arte, gab es Spuren türkischer dramatischer Kunst in Farcen, extemporierten Produktionen. Tiernachahmungen waren ein wichtiger Teil in diesen Produktionen, der Hirsch war ein Hauptcharakter. Es gab auch gelegentliche vorbereitete Farcen auf den Straßen, wenn es ein Publikum gab, beispielsweise vor Läden und Häusern, mit Improvisationen und Späßen, die aus dem Augenblick heraus entstanden.

 Spieler, die Beamte wie zum Beispiel Wachmänner, Steuereintreiber und Jäger nachgeahmt haben, hänselten so die Ladenbesitzer mit Streichen, um Geld von ihnen zu erhalten.

Zenne (Frau) - Gemacht durch Emin Senyer

 Im Laufe der Zeit haben sich alle diese groben und rohen Farcen, ob Kol oyunu (Ensembla-Spiel) oder Meydan oyunu (Spiele im Rund), oder Taklit oyunu (Nachahmungsspiel), mit dem Ortaoyunu verbunden. Vor Einfluss des europäischen Theaters wurde niemals eine erhobene Plattform als Bühne benutzt. Tanzende Mädchen und Jungen waren ähnlich wie Schauspieler und Schauspielerinnen. Sie führten ihre Tänze zum Vergnügen des Publikums auf. Sie kamen aus verschiedenen Zünften und Gruppen, kol oder cemaat genannt. Jemand, der das Schattenspiel Karagöz gesehen hat, wird die Ähnlichkeit zwischen seinen Charakteren, seinen komischen Elementen, seiner Atmosphäre, und jener vom Ortaoyunu bemerken.

 Der einzige Unterschied ist, dass das eine Medium Schattenspielfiguren benützt und das andere lebendige Schauspieler. Unter westlichem Einfluss ist die reiche Tradition des Ortaoyunu später verfallen und wurde schließlich eine Art Improvisations-Theater, Tuluat genannt.

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